Geschichten, die nur der Fuhrpark schreibt: Herr Fleig im Reifendschungel! [Teil 12]

12. September 2013

Nun sitzt er da, der Herr Fleig, und denkt angestrengt nach! Ist das Angebot über das Reifen-Paket nun günstig, teuer oder gar unnütz? Herr Sander, sein Chef, hat ihm das Angebot praktisch im Vorbeigehen einfach so auf den Schreibtisch gelegt. „Schauen Sie mal Herr Fleig, was ich in der Fuhrparkzeitschrift gefunden habe. Für einen Monatsbeitrag von gerade mal 26 Euro haben wir eine Reifenflat. Wäre das nichts für uns?“

Zunächst einmal schaut sich Herr Fleig die Rahmenbedingungen an:

  • gilt nur für neu bestellte Fahrzeuge des Modells XY (100 PS)
  • inkl. Winterreifen und Felgen.
  • inkl. Montage und Einlagerung
  • Laufzeit 36 Monate
  • Laufleistung 30.000 km/Jahr

Herr Fleig fängt an zu rechnen: 36 Monate x 26 Euro = 936 Euro zzgl. MwSt. Diese Gesamtkosten dividiert durch die Gesamtlaufleistung ergibt dann 0,0104 Euro/km oder umgerechnet 1,04 Cent/km. „Schade, dass wir vorher noch keine richtige Datentransparenz hatten, denn sonst könnte ich jetzt einfach mal die Preise vergleichen“

Herr Fleig überlegt also weiter: „Mh, wie viele Reifensätze braucht man überhaupt bei der angegebenen Laufleistung? Moment mal, ein neuer Satz Sommerreifen ist ja eh schon auf dem Neuwagen. Und der Satz müsste ja mindestens 40.000 km halten. Vermutlich sogar noch länger. Im Grunde genommen braucht man bei vernünftiger Fahrweise noch einen Satz Sommerreifen und einen Satz Winterreifen.“ Nach kurzer Recherche im Internet findet Herr Fleig heraus, dass ein guter Sommerreifen für dieses Fahrzeug ca. 45 Euro zzgl. MwSt. kostet. Die Winterreifen als Kompletträder sind mit ca. 60 Euro etwas teurer. Das bedeutet: Jeweils ein Satz Sommer- und Winterreifen kosten zusammen ca. 420 Euro netto. Woher kommt die Differenz? „Ach so, es kommt ja noch die Montage, die Einlagerung und der saisonale Reifenwechsel hinzu. Aber erklärt das die Differenz?“

Herr Fleig rechnet weiter: Die Reifenmontage kostet pro Satz ca. 30 – 40 Euro. Das ergibt also bei zweimaligem Reifentausch = 60 – 80 Euro. Der saisonale Reifenwechsel ist günstiger, da nur die Reifen umgesteckt werden. Geht man davon aus, dass man pro Jahr zweimal die Reifen umstecken muss, und zieht davon den zweimaligen Neutausch ab, so kann man hier mit ca. 80-100 Euro rechnen. Die Reifeneinlagerung pro Saison liegt auch zwischen 20 und 40 Euro. Grob überschlagen kommt Herr Fleig nun auf ca. 700 Euro zzgl. MwSt.

Lohnt sich das nun? Klar muss der Anbieter hier auf Nummer sicher gehen, um nicht später selbst draufzulegen. Denn was ist, wenn die Fahrer nun doch etwas schneller um die Kurven fahren? Ein Reifensatz mehr und schon ist man über den 936 Euro, denkt sich Herr Fleig. „Zum Glück, kann ich zukünftig mit der neu eingeführten Fuhrparksoftware, solche Angebote direkt bewerten“

Während Herr Fleig noch überlegt, schaut er auf das Kleingedruckte. Dort steht: „Austausch nur bei verschleißbedingtem Ersatz und bei Erreichen der gesetzlichen Mindestprofiltiefe.“ Nun wird Herr Fleig skeptisch. Denn mit 1,6 mm Profiltiefe würde er keinen Fahrer mehr im Winter auf die Straße lassen. Und Bordsteinrempler sind auch nicht verschleißbedingt, kommen aber ab und an vor.

Und was passiert eigentlich, wenn durch einen solchen Bordsteinschaden ein Reifen defekt ist und sich auf der gegenüber liegenden Seite ein Reifen mit 3 mm Restprofil befindet? Als verantwortungsbewusster Fuhrparkleiter würde ich den ja auch wechseln lassen, da ich kein gutes Gefühl dabei hätte, die Fahrer mit so unterschiedlichen Profiltiefen auf einer Achse herumfahren zu lassen.

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